Rückblick Generalversammlung

Ein besonderer Abend im Zeichen von 100 Jahre Verbandsgeschichte und der Zukunft des gemeinnützigen Wohnungsbaus: Rund 280 Gäste aus Genossenschaften, Politik und Partnerunternehmen feierten am 7. Mai 2026 gemeinsam das Jubiläum.

Die Klänge eines Saxophons begleiten das Stimmengewirr im Innenhof des Volkshauses Basel, während sich der Hof langsam füllt. Bei schönem Wetter erleben die Anwesenden einen entspannten Start in den Abend, geniessen Häppchen und tauschen sich aus. Die Gäste blicken stolz auf die gemeinsame Leistung und gratulieren dem Verband zu seinem runden Geburtstag.

Der Generationenvertrag
Vor genau einhundert Jahren schliessen sich 14 Genossenschaften mit rund 1'000 Wohnungen zusammen, um der damaligen Wohnungsnot aktiv zu begegnen. Heute vereint der Regionalverband 218 Genossenschaften mit über 17'600 Mieteinheiten. Ivo Balmer, Grossrat, Soziologe und Stadtgeograph, fasst die Bedeutung des Jubiläums beim Apéro zusammen: «Bei den Genossenschaften geht das Wohnen noch ums Wohnen, mit den Prinzipien Mitsprache, Spekulationsentzug und Kostenmiete. Bereits vor 130 Jahren hat man mit dauerhaft preisgünstigem Wohnraum angefangen.»

Auch Verbandspräsident Jörg Vitelli zieht eine Parallele zwischen den Epochen. Die Kernaufgabe sei seit 1926 unverändert geblieben: die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. «Das ist der Generationenvertrag», erklärt er. «Unsere Grossväter und Väter haben sich sehr engagiert. Nun ist es unsere Pflicht, diese Aufgabe für unsere Kinder und Enkel fortzuführen.» Die Relevanz des Modells zeige sich heute besonders deutlich. Während Bodenpreise und Renditeerwartungen von Drittinvestoren die Mieten im freien Markt in die Höhe treiben, kalkulieren Genossenschaften nach dem Prinzip der Kostenmiete. Das Ziel ist eine schwarze Null, nicht die Maximierung des Gewinns.

Politische Rahmenbedingungen und ehrgeizige Ziele
Nach dem Wechsel in den Festsaal heben die Referierenden die gestiegene politische Bedeutung des Verbandes hervor. Peter Schmid, Vizepräsident von wohnbaugenossenschaften schweiz, überbringt die Grussworte des Dachverbandes und beleuchtet die historische Entwicklung der Schweizer Genossenschaftsbewegung.

Regierungsrat Kaspar Sutter gratuliert im Namen der Basler Regierung und findet deutliche Worte für den Wert des gemeinnützigen Wohnbaus im urbanen Raum: «Gerade in einer Stadt, wo die Fläche ein begrenztes Gut ist, ist es wichtig, dass es Wohnbaugenossenschaften gibt.» Da keine Gewinne abfliessen und Bodenaufwertungen im Vermögen der Genossenschaften verbleiben, sichere dieses Modell langfristig tiefere Mieten. Das so gebundene Kapital schaffe wiederum Fundamente für neue Projekte. Der Blick in die Zukunft ist eng mit konkreten politischen Zielsetzungen verknüpft. Gemäss dem Gegenvorschlag zur Initiative «Basel baut Zukunft» soll der Anteil an nachhaltig preisgünstigem Wohnraum in Basel-Stadt bis zum Jahr 2050 von derzeit zwölf Prozent auf mindestens 25 Prozent wachsen.

Ein Abschied nach fast drei Jahrzehnten
Ein emotionaler Höhepunkt des offiziellen Programms war der Rücktritt von Vizepräsident René Brigger. Nach 29 Jahren engagierter Vorstandsarbeit verabschiedet er sich von seiner Funktion. In seiner Amtszeit hat er die Entwicklung des Verbandes entscheidend mitgeprägt und massgeblich dazu beigetragen, dass in der Region rund 5000 neue Genossenschaftswohnungen entstehen konnten. Sarah Righetti, Geschäftsleiterin der Stiftung für preisgünstigen Wohnraum Basel-Stadt, wies am Rand der Veranstaltung darauf hin, wie wichtig die Mobilisierung jüngerer Kräfte für diese Aufgaben sei, damit der Verband aktiv und verjüngt agieren kann.

Nach den Grussworten von Regula Berger, CEO der Basler Kantonalbank, zum Abschluss des offiziellen Teils leitete ein Goldregen aus vier Konfettikanonen zum Fest über.

Humorvoller Ausklang und Netzwerkpflege
Das anschliessende Jubiläums-Dinner bot den Gästen Raum für den persönlichen und fachlichen Austausch. Für Auflockerung sorgte das Comedy-Duo Bröckelmann & Bröckelfrau, das prominente Persönlichkeiten parodierte. So forderte die Kunstfigur des Fussballers Hakan Yakin die Genossenschaften auf, den Fussball in ihren Gärten mehr zu fördern, während die Stimme von Trudi Gerster ein eigenes Jubiläumsmärchen erzählte. Auch Hausi Leutenegger gratulierte auf seine gewohnt markante Weise.

Die 100. Generalversammlung machte deutlich, dass der genossenschaftliche Wohnungsbau eine sinnvolle Antwort auf die Fragen des Immobilienmarktes ist. Gut aufgestellt blickt der Regionalverband wohnbaugenossenschaften nordwestschweiz positiv in die Zukunft. Auf die nächsten 100 Jahre!