Unterwegs am Open House Basel 2026
Wie schon in den vergangenen Jahren öffneten verschiedene Wohngenossenschaften am Open House ihre Türen. Zum 100-Jahr-Jubiläum des Regionalverbands wohnbaugenossenschaften nordwestschweiz erhielten wir einen eigenen Auswahlfilter: 16 Wohngenossenschaften sowie die Stiftung Habitat boten Führungen in ihren Liegenschaften an. Wir haben vier Siedlungen besucht.
«Eintritt nur mit Anmeldung!» – lautete das Motto am Open House Basel vielerorts. Das Interesse, hinter die Kulissen von Wohnhäusern, Büros, Ateliers oder Institutionen zu blicken, war gross. Unsere Tour durch die Wohngenossenschaften führte von der Erlenmatt im Kleinbasel zum Lysbüchel-Areal im St. Johann und über die Hegenheimerstrasse im Iselinquartier zur Siedlung im Zimmerhof im Gotthelf.
Erlenmatt Ost | Künstleratelier
Von aussen sieht das 2019 erbaute Künstleratelier auf der Erlenmatt unscheinbar aus. Doch folgt es einem durchdachten Konzept. Kunstschaffende haben sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen, mit dem Ziel, Atelierwohnungen zu errichten – mit maximaler Freiheit im Grundriss. Bedeutet: Die 17 Wohnateliers bestehen jeweils aus einem Raum ohne Zwischenwände. Als Grundlage erhalten die Mieterinnen und Mieter ein Sanitärelement, das sie frei im Raum positionieren können.
Eine Bewohnerin führt am Open House Interessierte durch ihre Wohnung. Sie hat den Raum in zwei Bereiche aufgeteilt: Atelier, Schlafbereich und Stauraum auf der einen und Wohnküche auf der anderen Seite. Die Elemente aus Holz hat sie zudem so eingebaut, dass ihre Tochter über einen separaten Eingang in ihr Zimmer gelangt.
Die Künstlerin fühlt sich in ihrem selbstgestalteten Atelier sehr wohl, selbst wenn sie im Winter manchmal auch drinnen einen Pullover tragen muss. «Man gewöhnt sich an die 18 Grad», sagt sie und erklärt: «Das Gebäude hat keine Heizung.» Die Aussenwände aus Dämmziegelmauerwerk sind 80 cm dick und verfügen über eine hohe Speicherkapazität. Die Wärme im Haus entsteht durchs Bewohnen, Kochen und den Lichteinfall. Eine Solaranlage auf dem Dach sorgt für die elektrische Energie, eine Luftwärmepumpe fürs Warmwasser.
Lysbüchel | Stadtkind
Angekommen auf dem Lysbüchel-Areal ist der Ansturm gross. Und so nutze ich die Wartezeit, um den Aussenbereich zu erkunden. Zwischen Vogesenplatz und Elsässerstrasse öffnet sich auf dem ehemaligen Industrieareal eine grüne Stadtoase mit einem Park, Spielplatz und einer gepflasterten Fussgängerzone. Und im ehemaligen Weinlager hat sich auch eine Pizzeria eingemietet.
Inzwischen ist Architektin Norma Tollmann bereit, um unsere Gruppe durch das rosarote Haus am Beckenweg 8 zu führen. Sie ist die Initiantin dieses Gebäudes, das ausschliesslich als Zuhause für Familien dienen sollte. «Weil es so kleinteilig ist und die Durchmischung ohnehin über den Hof passiert, wollten wir ganz bewusst nur eine einzige Nutzung anbieten», sagt sie bei der Besichtigung.
«Das Ziel war von Anfang an klar: so kostengünstig wie möglich, aber mit einem hohen ökologischen Anspruch.» Um das Budget zu schonen, hinterfragte die Projektgruppe jede Entscheidung systematisch. Der ursprüngliche Plan, ein reines Familienhaus zu schaffen, ist am Ende zwar nur halb aufgegangen. Heute beherbergt das Gebäude neben zwei Maisonettewohnungen für Familien auch eine Einzelperson und ein Gewerbe. Die Gemeinschaft lebt das genossenschaftliche Miteinander konsequent, Entscheidungen werden gemeinsam gefällt. Im Erdgeschoss gibt es bewusst keine private Nutzung, im Garten sucht man Zäune vergebens. Die Nachbarschaft aus den umliegenden Häusern trifft sich im gemeinsamen Hinterhof.
Wohngenossenschaft Hegenheimerstrasse
Im Hinterhof der Hegenheimerstrasse 137 versteckt sich ein ungewöhnliches Gebäude aus Sichtbeton und Kupfer. Schon beim Betreten des Areals fällt die besondere Stimmung des Hofs auf. Ein gemütlicher Garten umgibt das Haus und schirmt die Bewohnerinnen und Bewohner vom Lärm der Stadt ab.
Die Architektur ist clever gelöst: Es gibt einen Mix aus Etagen- und Maisonettewohnungen, die alle über eigene Balkone verfügen. Da die Privatsphäre der Bewohnenden an diesem Tag natürlich vorgeht und das Filmen im Inneren nicht erlaubt ist, lasse ich die Kamera stecken. Stattdessen fange ich das Gebäude von aussen ein. Ein kurzer Abstecher führt mich noch in den Gemeinschaftsraum. Dort zeigt eine kleine Ausstellung der Wohngenossenschaft die Geschichte des Hauses und stellt ein Neubauprojekt auf dem VoltaNord vor.
Wohnsiedlung Im Zimmerhof
Die letzte Station für heute ist die Wohnsiedlung Im Zimmerhof Nähe Schützenmattpark. Wo früher eine grosse Zimmerei am Werk war, entstand zwischen den Weltkriegen eine Siedlung für die Arbeiterschaft, inspiriert von der englischen Gartenstadtbewegung. Direkt vor dem Eingang empfängt mich eine blaue Stele, die auf das 100-Jahr-Jubiläum des Regionalverbands wohnbaugenossenschaften nordwestschweiz hinweist.
Die Führung startet im Innenhof. Der Architekt, der uns empfängt, kennt jede Ecke und jedes noch so kleine Detail der Wohnsiedlung aus dem Jahr 1927. Er erzählt, dass die heutige Besitzerin, die Wohnbau-Genossenschaft Nordwest, einen Brand im Dachstuhl zum Anlass nahm, die denkmalgeschützten Häuser komplett zu sanieren. Wegen der strengen Vorgaben kam eine klassische Aussendämmung nicht infrage. Auch die Fenster erhielten ihre ursprüngliche Sprossen-Einteilung zurück. Bis auf den Ausbau des Estrichs ist in den Gebäuden nun wieder der Originalzustand hergestellt. Wie die Maisonette-Wohnungen im Dach gestaltet sind, verriet uns der Architekt zum Abschluss der Führung.
Es braucht mehr genossenschaftlichen Wohnraum
Das Open House Basel zeigte einmal mehr, wie vielfältig und durchdacht genossenschaftlicher Wohnbau ist und dass die Nachfrage und das Interesse der Bevölkerung gross sind. Deshalb hat sich der Verband wohnbaugenossenschaften nordwestschweiz zum Ziel gesetzt, weiterhin auf Wachstumskurs zu bleiben. Gegründet von 14 Genossenschaften mit rund 1’000 Wohnungen im Jahr 1926, vereint er heute 218 Genossenschaften mit über 17’600 Mieteinheiten. Bis ins Jahr 2050 soll gemäss Gegenvorschlag zu «Basel baut Zukunft» der Anteil von nachhaltig preisgünstigem Wohnraum in Basel-Stadt von heute 12 Prozent auf mindestens 25 Prozent wachsen. Ein grosser Teil der Mietenden ist dankbar für mehr genossenschaftlichen Wohnraum, da dieser in Zeiten stark steigender Mietzinse bezahlbares und sicheres Wohnen ermöglicht. Wohnbaugenossenschaften leisten einen wichtigen sozialen Beitrag, indem sie langfristig preisgünstige Wohnungen erstellen und erhalten.



