Lebendiger Einblick in die Zukunft des Wohnens auf der Zentrale Pratteln
Auf dem Areal der Zentrale Pratteln entsteht ein lebendiges Quartier für genossenschaftliches und bezahlbares Wohnen. Am Tag der Wohngenossenschaften erhielt die Bevölkerung einen direkten Einblick in die Zukunft des Areals.
Der Stand des Regionalverbandes wohnbaugenossenschaften nordwestschweiz war die Anlaufstelle, um mehr über die Arbeit des Verbands und dessen Geschichte zu erfahren. Geschäftsleiterin Monika Willin schlug die Brücke von den historischen Anfängen bis zur Gegenwart: «Nachdem um 1850 die Industrialisierung begann, kamen immer mehr Menschen in die Stadt. Das Angebot an Wohnungen war viel kleiner als die Nachfrage, die Zustände waren katastrophal.» Während die Erwachsenen in die Geschichte eintauchten, malten die jüngsten Gäste ihr eigenes Traumhaus und hängten die fertigen Kunstwerke an einer Wäscheleine auf.
Einblick in eine Musterwohnung
Die wgn gab mit einer Musterwohnung einen ersten Einblick in das zukünftige Leben auf der Zentrale Pratteln. Die Besuchenden waren begeistert: Ein älteres Paar lobte den hellen Charakter der Wohnung und den offenen Grundriss, eine Mutter und ihre erwachsene Tochter schmiedeten fiktive Einrichtungspläne. Auch das Mietshäuser Syndikat führte durch ihren Hallenwohnen-Teil – allerdings über die Baustelle, mit Helm und Schutzweste.
Offizieller Festakt vor dem Gewerberiegel
Bei Burgern, Flammkuchen, süssen Naschereien und Thai-Spezialitäten genossen die Gäste die gesellige Atmosphäre des Festakts. Regionalverbandspräsident Jörg Vitelli erinnerte an die historischen Wurzeln: Vor knapp 120 Jahren wurde das ockerfarbene Gebäude für den Verband Schweizerischer Konsumvereine VSK eingeweiht. Er zog Parallelen zur Gegenwart: «Damals ging es beim VSK darum, über eine genossenschaftliche Organisation bezahlbares Essen bereitzustellen. Heute stehen wir vor der exakt gleichen Aufgabe, einfach beim Wohnen.»
Eva Herzog, Ständerätin und Präsidentin vom Dachverband Wohnbaugenossenschaften Schweiz, sprach auch als Prattelerin – sie ist in der Gemeinde aufgewachsen und freut sich über deren Aufbruchsstimmung: «Pratteln ist eine Gemeinde, die gestalten will, die den Ort attraktiv machen will.» Besonders lobte sie das Zusammenspiel der gemeinnützigen Wohnbauträger: «Das hätte eine Genossenschaft nicht alleine machen können.» Der Pratteler Gemeinderat Philipp Schoch brachte es auf den Punkt: «Wer im Baselbiet aufgewachsen ist, wer hier arbeitet, seine Familie gründet oder den Lebensabend verbringt, der sollte auch hier wohnen können.» Architektin Marianne Dutli Derron von Logis Suisse ergänzte: «Wir haben das Areal gekauft mit der Vision, es mit regionalen Wohnbaugenossenschaften zu entwickeln.»
Zitat Eva Herzog «Das beste Rezept gegen Vereinsamung»
Am Rand der Veranstaltung betonte Eva Herzog nochmals die Stärke des genossenschaftlichen Prinzips: «Genossenschaftliches Wohnen steht für alles: Es ist preisgünstig und bringt die Menschen zusammen.» Die Wohngenossenschaft biete dabei die ideale Mischform: «Man hat seinen privaten Raum, in den Gemeinschaftsräumen oder auf dem Areal kommt man aber zusammen.» Ihr Fazit: «Gegen Vereinsamung bieten Genossenschaften das beste Rezept.»
Wie dringend solche Projekte gebraucht werden, zeigten die Gespräche mit den Besucherinnen und Besuchern. Eine junge Familie hofft auf eine Zusage: «Wir sind beide im Dorf aufgewachsen und möchten unbedingt hier bleiben. Das Projekt in der Zentrale ist unsere grosse Hoffnung auf eine bezahlbare Wohnung.» Ein älteres Ehepaar sieht darin eine Perspektive für den dritten Lebensabschnitt: «Wir schätzen nicht nur die moderne Bauweise, sondern vor allem das generationenübergreifende Konzept und die lebendige Nachbarschaft.»
Der Tag der Wohngenossenschaften hat gezeigt, dass mit der Zentrale Pratteln ein durchdachtes Quartier entsteht, das Menschen unterschiedlicher Lebensarten zusammenbringt und den gemeinnützigen Wohnungsbau sichtbar macht.
















