Alle können in einer Genossenschaft wohnen.

03.11.2021

Menschen, die durch schwierige Lebenssituationen in finanzielle Notlage geraten und so auf dem freien Wohnungsmarkt benachteiligt sind, werden durch verschiedene Institutionen bei der Wohnungssuche unterstützt. Am Forum der Vorstände vom Donnerstag, den 21. Oktober 2021, liessen sich viele interessierte GenossenschafterInnen inspirieren.

Einer der 10 Leitsätze für Wohnbaugenossenschaften lautet: Für alle offen. Und: Genossenschaften sind gedacht als Orte der sozialen Durchmischung.
Ein Leitsatz, über den innerhalb wie ausserhalb der Wohngenossenschaften viel diskutiert wird. Die generationenübergreifende Mischung, verschiedene Lebensformen, Herkunftsländer und Sprachen sind inzwischen selbstverständlich. Entgegen diverser Medienberichte ist der Ausländeranteil aus den fraglichen Ländern gleich hoch wie bei anderen Vermietern, nur die nordeuropäischen Migranten sind in Genossenschaften untervertreten, da die Mitarbeitenden der Pharmaindustrie meist luxuriösere Mietwohnungen suchen, die oft durch Coaching Firmen vermittelt werden, und eventuell werden auch keine langfristigen Mietverhältnisse angestrebt. (> Studie siehe unten, grüner Balken 10% versus 4% EU Nord/EFTA).
Trotzdem möchten Wohngenossenschaften noch mehr tun.

Drei verschiedene Institutionen stellten an der Veranstaltung ihre Konzepte vor, welche Unterstützung sie bieten können, um dauerhafte und solide Mietverhältnisse auch für Menschen aus schwierigen Lebenssituationen aufzubauen.
Wohngenossenschaften können dafür guten und gesunden Wohnraum zur Verfügung stellen und damit vielleicht sogar helfen, den zermürbenden Kreislauf «keine Wohnung – keine Arbeit» zu durchbrechen. Zwei Genossenschaften erzählten von eigenen guten Erfahrungen und ermunterten die anderen, dies auch vermehrt zu probieren.

1. IG Wohnen (Colette Bühler, Geschäftsleiterin): Der Verein unterstützt Menschen in schwierigen Situationen bei der Wohnungssuche. Es werden nur Personen mit ausreichend Wohnkompetenzen vermittelt. Auch Sprachbarrieren müssen kein Hindernis sein, da die Mieter durch Übersetzer begleitet werden, bei der Kommunikation mit dem Vorstand, den Nachbarn oder an der Generalversammlung. Mit der IG-Wohnen-Garantie sind Mietzinsausfälle praktisch unmöglich. Diese ist gültig während der ganzen Mietdauer. Alle Wohnungsgrössen werden gesucht.
2. Gemeinnützige Stiftung Wohnhilfe (Daniel Müller, Geschäftsleiter): Sie vermittelt hauptsächlich Einzelpersonen und sucht vornehmlich 1-2-Zimmerwohnungen. Der Mietvertrag wird mit dem Mieter abgeschlossen. Auch sie begleiten ihre Kunden eng und suchen Sicherheiten. Neu begleiten sie auch junge Erwachsene, Care Leaver genannt.
3. Heilsarmee, Konzept Housing First (Thomas Frommherz, Bereichsleiter): Der Kanton BS hat die Heilsarmee mit diesem Konzept beauftragt, da sie grosse Erfahrung hat. Man möchte damit Personen erreichen, die aus allen Programmen gefallen sind und sich aufgegeben haben. Menschen, die obdachlos sind, haben ein grosses Organisationstalent, weshalb oft nicht die Wohnkompetenz, sondern andere Gründe zur Obdachlosigkeit führten. Ohne eigene Wohnung kann man nicht gesund werden, und so sucht auch die Heilsarmee für das Projekt 1-2-Zimmer-Wohnungen.
4. Sozialhilfe Basel-Stadt (Rudolf Illes, Amtsleiter): Uns wurden viele praktische Tipps mit auf den Weg gegeben. Er ermunterte die Genossenschaften, mit den verschiedenen Institutionen zusammen Lösungen zu finden. Durch die richtige Herangehensweise kann vielem vorgebeugt werden.

Beim anschliessenden Apéro tauschten sich die Teilnehmenden mit den Experten aus.
Wir wurden unterstützt von BSD Beschläge Design AG.

> Artikel "Finnland: Housing First ist ein Erfolg"

> Gemeinnütziges Wohnen im Fokus, ein Vergleich zu Miete und Eigentum (sotomo)

Gemeinnütziges Wohnen im Fokus, ein Vergleich zu Miete und Eigentum (Sotomo-Studie, Seite 48)

Gemeinnütziges Wohnen im Fokus, ein Vergleich zu Miete und Eigentum (Sotomo-Studie, Seite 48)